Pflanzenkohle in der Tierfütterung

es hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass sich in der Landwirtschaft der Einsatz von Pflanzenkohle am ehesten dann lohnt, wenn sie zuerst in der Tierhaltung angewendet wird, sich im Stallsystem mit sonst flüchtigen Nährstoffen anreichert und erst dann quasi als Trägermittel für organische Dünger in den Boden eingebracht wird. 2010 unternahmen wir die ersten Versuche zur Aufladung von Pflanzenkohle mit organischen Nährstoffen, indem wir sie bei der Güllebehandlung einsetzten. Dass die Gülle bald nicht mehr stank, war da zunächst nur ein willkommener Nebeneffekt. Rasch testeten wir die Pflanzenkohle auch in der Einstreu verschiedener Tierarten, was die resultierenden Komoposte und die Geruchsbelastung ebenfalls schnell und merklich senkte. Inzwischen hatte das Literaturstudium ergeben, dass Pflanzenkohle durchaus auch gefüttert werden kann und neben der Nährstoffbeladung der Kohle im Verdauungstrakt offenbar auch verschiedene positive Auswirkungen auf die Tiergesundheit hat. Begleitet von Tierärzten fanden daher ab 2011 die ersten Fütterungsversuche in Deutschland und der Schweiz statt.

Seither hat sich insbesondere in den deutschsprachigen Ländern Europas die Lage so entwickelt, dass über 90% der hergestellten Pflanzenkohle in die Tierhaltung verkauft und davon der überwiegende Teil in der Tierfütterung eingesetzt wird. Aber es bleibt die Frage, wie nachhaltig ist die Fütterung von Pflanzenkohle? Wie effizient ist es für die Tiergesundheit? Sind langfristige negative Folgen zu befürchten? Adsorbiert die Kohle nur Schadstoffe und nicht auch essentielle Nährstoffe? Und wie überhaupt funktioniert die Pflanzenkohle in der Verdauung? Fragen, die uns seit langem bewegen und zu deren (vorläufiger) Beantwortung wir uns die Mühe machten, rund 200 wissenschaftliche Fachartikel zum Einsatz von Pflanzenkohle in der Tierfütterung auszuwerten und zu kommentieren.

Es war eine stuppende Arbeit und wir können es selbst momentan kaum fassen, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Wir hoffen nun sehnlichst, dass sich die Mühe gelohnt und sich fortan ein nüchterneres, auf wissenschaftliche Daten beruhendes Urteil über den Einsatz von Pflanzenkohle in der Tierhaltung bilden wird, dass die Landwirte mit der nötigen Vorsicht vorgehen, die Behörden eine nachvollziehbare Zulassungspraxis entwickeln und die staatlichen Fördereinrichtungen die Wissenschaft für die Vertiefung der funktionellen Zusammenhänge unterstützen.

Nachdem das Ithaka-Institut in den letzten Jahren die Kaskadennutzung von Pflanzenkohle entscheidend mitentwickelt hat, haben wir es als unsere Pflicht erachtet, in dem entscheidenden Bereich der Fütterung endlich für mehr Klarheit zu sorgen und zu verhindern, dass Pflanzenkohle in den Verruf eines magischen Mittels für alle Zwecke gerät.

Ich selbst bin kein Anhänger, Tiere täglich mit einem Mittel zu füttern, dass in der Natur zwar gelegentlich vorkommt (Waldbrände), aber in der Regel nicht zur natürlichen Diät gehört. Aber ich habe inzwischen habe selbst genügend Erfahrungen sammeln dürfen, um es sehr wert zu schätzen, leidenden Tieren hin und wieder einige Tage saubere, zertifizierte Pflanzenkohle ins Futter zu geben, um das natürliche Verdauungsgleichgewicht wieder einzustellen.

http://www.ithaka-journal.net

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s